Es ging doch schon so gut – wenn ein Hund plötzlich wieder ängstlich wird

„Aber er konnte doch schon spazieren gehen.“

Dieser Satz stand im Raum, als ich ein neues Mensch-Hund-Team zum ersten Mal kennenlernte. Und er war völlig verständlich. Denn die Halterin hatte mit viel Geduld bereits einiges mit ihrem Hund geschafft. Nach einem sehr schwierigen Start war die Außenwelt für ihn Stück für Stück zugänglicher geworden. Spaziergänge waren möglich, sein Radius hatte sich erweitert und für eine ganze Weile sah es tatsächlich so aus, als hätten die beiden einen guten Weg gefunden.

Und dann wurde genau diese Welt für den Hund wieder kleiner.

Er stammt aus dem Auslandstierschutz und hatte bereits sehr früh in seinem Leben belastende Veränderungen erlebt. Bekannt ist unter anderem, dass er ausgesprochen jung von seiner Mutter getrennt wurde und die Umstände dabei wenig ruhig und verlässlich waren. Was solche frühen Erfahrungen für seine spätere Entwicklung bedeuten, lässt sich rückblickend nicht sicher feststellen. Sie gehören zu seiner Geschichte und dürfen berücksichtigt werden, erklären aber nicht automatisch alles, was ein Hund Jahre oder Monate später zeigt.

Als er in seinem neuen Zuhause ankam, war seine Ängstlichkeit besonders außerhalb der Wohnung deutlich. In den ersten Monaten war das Verlassen des Hauses ausgesprochen schwierig. Drinnen sah die Welt anders aus. Dort fand er verschiedene Plätze, an denen er zur Ruhe kommen konnte, und das Zuhause entwickelte sich früh zu einem Bereich, in dem er sichtbar entspannter war.

Seine Halterin blieb aufmerksam und geduldig. Sie beobachtete ihn sehr genau und suchte nach Möglichkeiten, ihm das Draußensein leichter zu machen. Nach und nach begann sich tatsächlich etwas zu verändern. Spaziergänge wurden möglich, der Hund konnte draußen Strecken zurücklegen, schnüffeln und teilweise auch Futter annehmen. Vertraute Menschen und Hunde gaben ihm in einzelnen Situationen zusätzliche Orientierung. Über mehrere Monate schien sich sein Radius Schritt für Schritt zu erweitern.

Es ging doch schon so gut. Und genau deshalb war das, was anschließend geschah, so schwer einzuordnen.

Funktionieren ist nicht dasselbe wie sich sicher fühlen

Wenn ein Hund nach einer schwierigen Anfangszeit plötzlich mit hinausgeht, Spaziergänge schafft und immer mehr Situationen bewältigt, dürfen wir uns darüber freuen. Aber wir sollten daraus nicht automatisch schließen, dass diese Situationen für ihn bereits wirklich sicher geworden sind. Ein Hund kann etwas bewältigen und trotzdem sehr viel innere Kraft dafür benötigen. Er kann beobachten, sich anpassen, sich an einem anderen Hund oder an seinem Menschen orientieren und Wege finden, mit einer Situation zurechtzukommen. Von außen sieht das möglicherweise bereits nach großer Stabilität aus. Was wir nicht immer sehen können, ist, wie belastbar diese Stabilität tatsächlich schon ist.

Wenn ein Hund nach einer schwierigen Anfangszeit plötzlich mit hinausgeht, Spaziergänge schafft und immer mehr Situationen bewältigt, dürfen wir uns darüber freuen. Aber wir sollten daraus nicht automatisch schließen, dass diese Situationen für ihn bereits wirklich sicher geworden sind. Ein Hund kann etwas bewältigen und trotzdem sehr viel innere Kraft dafür benötigen. Er kann beobachten, sich anpassen, sich an seinem Menschen oder einem vertrauten Sozialpartner orientieren und Wege finden, mit einer Situation zurechtzukommen. Von außen sieht das möglicherweise bereits nach großer Stabilität aus. Was wir nicht immer sehen können, ist, wie belastbar diese Stabilität tatsächlich schon ist.

Vielleicht kennst du das von deinem eigenen Hund. Gibt es etwas, bei dem du lange gedacht hast: „Das kann er doch“ – und irgendwann zeigte sich, dass es offenbar sehr viel anstrengender für ihn war, als du angenommen hattest?

Nach einer längeren stabileren Phase begann die gewonnene Sicherheit bei diesem Hund wieder brüchiger zu werden. Veränderungen in der Umwelt und ungewohnte Geräusche schienen plötzlich stärker ins Gewicht zu fallen. Was dabei jeweils genau schwierig war, lässt sich im Nachhinein nicht eindeutig bestimmen. Es können Untergründe, veränderte Geräuschkulissen, einzelne Schreckmomente oder das Zusammenspiel mehrerer Reize gewesen sein.

Später kam es zu einem deutlichen Einbruch. In diese Zeit fielen weitere Situationen, in denen der Hund durch unerwartete und schwer einzuordnende Geräusche stark erschrak. Gleichzeitig hatte sich auch die Geräuschkulisse in seinem unmittelbaren Wohnumfeld verändert. Stimmen, Schritte, Geräusche aus dem Haus und plötzlich auftretende Reize bekamen zunehmend Bedeutung.

Interessant war dabei, dass er keineswegs einfach auf Lautstärke reagierte. Manche lauten Geräusche spielten für ihn kaum eine Rolle, während bestimmte Stimmen oder unerwartete Geräuschquellen deutliche Reaktionen auslösen konnten.

In meiner Arbeit sind genau solche Unterschiede wichtig. Denn „mein Hund ist geräuschempfindlich“ beschreibt zunächst nur einen kleinen Ausschnitt. Interessanter wird es, wenn wir genauer hinschauen: Welche Geräusche sind es? Wo treten sie auf? Zu welcher Tageszeit? Was geschieht unmittelbar vorher? Wie reagiert der Körper des Hundes? Und kann er nach einem Schreck wieder in die Situation zurückfinden?

Für dieses Mensch-Hund-Team wurde die Welt außerhalb des Hauses schließlich immer schwerer vorhersehbar. Aus den zuvor möglichen Spaziergängen wurden wieder sehr kleine Wege. Zeitweise war kaum mehr als ein kurzer Gang vor das Haus möglich; ruhigere Tageszeiten waren häufig leichter. Das Zuhause dagegen blieb der Ort, an dem die Anspannung oft erstaunlich schnell wieder nachließ.

Vielleicht liegt darin bereits ein wichtiger Blickwechsel: Der Hund wollte nicht einfach „nicht spazieren gehen“. Sein Rückzug führte ihn dorthin zurück, wo seine Welt wieder berechenbarer wurde.

Was passiert, wenn wir nicht die Strecke zum Ziel machen?

Als ich den Hund bei unserem ersten ausführlichen Termin erlebte, konnte er während eines längeren Gesprächs in seinem Zuhause sogar schlafen. Draußen zeigte sich ein völlig anderes Bild. Schon nach kurzer Zeit wurde seine hohe Aufmerksamkeit sichtbar. Er beobachtete intensiv, fiepte, bewegte sich teilweise rückwärts und orientierte sich deutlich in Richtung des vertrauten Eingangsbereichs.

Für mich war deshalb nicht entscheidend, wie weit wir an diesem Tag kommen würden. Interessanter war die Frage: Wie viel Außenwelt kann dieser Hund gerade erleben und dabei trotzdem noch selbst Entscheidungen treffen?

Wir begannen klein. Nicht die Länge eines Spaziergangs gab den Rahmen vor, sondern die Frage, ob der Hund noch schnüffeln, seine Umgebung wahrnehmen, eine kleine Suchmöglichkeit nutzen oder sich freiwillig noch einmal für einen Schritt nach vorne entscheiden konnte. Wenn er zurückwollte, wurde daraus kein Kräftemessen an der Leine. Gleichzeitig bedeutete ein erster Rückzugsimpuls nicht automatisch, dass jeder Außenkontakt in diesem Moment beendet sein musste. Manchmal brauchte er einen kurzen Moment – und entschied anschließend selbst, sich noch einmal der Außenwelt zuzuwenden.

Genau diese kleinen Entscheidungen wurden zunehmend interessant. Im geschützten häuslichen Rahmen bekam der Hund einen Suchaufbau, bei dem er selbstständig erkunden und jederzeit unterbrechen konnte. Zu diesem Aufbau gehörte auch ein Ruheplatz mit einem Schleckangebot.

Mit der Zeit zeigte sich dort etwas, das ich besonders spannend finde: Der Hund suchte und erkundete eine Weile, ging dann von sich aus auf seinen Ruheplatz, legte eine Pause ein und kehrte später selbstständig wieder zur Suche zurück. Dieser Wechsel fand nicht nur einmal statt, sondern mehrfach innerhalb einer Einheit.

In meiner Arbeit ist dabei nicht entscheidend, wie viele Leckerchen am Ende gefunden wurden. Viel interessanter ist, was der Hund währenddessen über seine eigenen Möglichkeiten erlebt: Er kann eine Unterbrechung wählen, Abstand nehmen und anschließend selbst entscheiden, wieder aktiv zu werden.

Etwas Ähnliches begann sich auch draußen zu zeigen. Ein geschützter Bereich unmittelbar am Hauseingang entwickelte sich zu einem kleinen Sicherheitsort. Wenn die Außenwelt zu viel wurde, zog der Hund sich manchmal dorthin zurück. Doch dieser Rückzug bedeutete zunehmend nicht mehr automatisch das Ende des Außenkontakts. Seine Halterin beobachtete, dass er dort einen Moment verweilte, sich sammelte und anschließend manchmal aus eigener Entscheidung noch einmal hinausging.

Ich finde diese Entwicklung besonders interessant. Denn damit wird aus einem vermeintlichen „Rückschritt“ etwas anderes. Der geschützte Bereich ist nicht nur ein Ort, an den der Hund zurückkehrt, wenn ihm etwas zu viel wird. Er kann auch zu einem Zwischenraum werden, von dem aus eine neue Entscheidung möglich ist.

Drinnen zeigt der Hund bei seiner Suche: Ich kann erkunden, ich kann Pause machen und ich kann wieder anfangen. Draußen beginnt etwas Ähnliches sichtbar zu werden: Ich kann zurückgehen, mich sammeln und mich anschließend noch einmal für die Außenwelt entscheiden.

Genau darum geht es für mich in seiner Begleitung immer wieder. Nicht darum, dass ein ängstlicher Hund möglichst lange etwas aushält, sondern darum, dass sein eigener Handlungsspielraum größer wird.

Auch draußen entstanden deshalb kleine, überschaubare Suchmöglichkeiten. Nicht als Ablenkung von Angst und nicht mit dem Ziel, den Hund mit Futter möglichst weit vom Haus wegzulocken. Sie sollten ihm etwas geben, das er selbst tun konnte: schnüffeln, suchen, wahrnehmen, sich orientieren und Entscheidungen treffen.

Und langsam begann sich wieder etwas zu verändern. Die möglichen Wege wurden größer. Der Hund blieb wieder länger draußen, schnüffelte intensiver und interessierte sich zeitweise stärker für die Gerüche seiner Umgebung als für angebotenes Futter. Er begann erneut, bisherige Grenzen zu überschreiten und selbst Richtungen zu wählen.

In einem ruhigen, vertrauten Außenbereich zeigte sich zeitweise sogar ein ganz anderes Bild. Dort konnte er spielen, rennen, schnüffeln und sich deutlich lockerer bewegen. Auch ruhige soziale Begegnungen waren dort möglich. Solche Situationen sind für mich wertvoll, weil sie zeigen, dass ein ängstlicher Hund grundsätzlich Zugang zu Erkundung, Spiel und sozialem Verhalten haben kann – wenn die Bedingungen für ihn passen.

Später geschah auch auf einem seiner Wege etwas, das lange kaum möglich gewesen war: Der Hund konnte sich draußen vollständig lösen. Für Außenstehende mag das nach einer Nebensächlichkeit klingen. In diesem Fall war es jedoch ein wichtiger Moment. Über lange Zeit war dafür außerhalb des sicheren Zuhauses offenbar nicht genügend Ruhe vorhanden gewesen.

Manchmal erzählen gerade solche körperlichen Veränderungen viel darüber, wie ein Hund eine Umgebung erlebt.

Entwicklung läuft nicht in einer geraden Linie

Wer jetzt erwartet, dass dieser Hund anschließend einfach von Fortschritt zu Fortschritt ging, landet genau bei dem Punkt, der mir an seiner Geschichte besonders wichtig ist. Es gab wieder schwierigere Tage. Selbst ein Außenbereich, der zwischenzeitlich sehr positiv besetzt war, konnte nach einem nicht eindeutig identifizierbaren Ereignis vorübergehend wieder Unsicherheit auslösen.

Auch im weiteren Verlauf gab es Tage, an denen längere Wege möglich waren, ausgiebig geschnüffelt wurde, bekannte Menschen freundlich begrüßt wurden und der Hund seine Umgebung zunehmend selbst erkundete. An anderen Tagen konnte bereits der Schritt aus dem geschützten Eingangsbereich in die Außenwelt schwierig sein.

Ist das ein Rückfall? Ich betrachte es nicht so.

Wenn wir Entwicklung ausschließlich daran messen, wie viele Meter ein Hund heute geschafft hat, übersehen wir möglicherweise die viel wichtigeren Veränderungen. Dieser Hund konnte zunehmend häufiger aus einem ersten Rückzugsimpuls wieder herausfinden. Er suchte zunächst Sicherheit und entschied sich anschließend manchmal erneut für die Außenwelt. Er nahm soziale Kontakte auf, traf eigene Richtungsentscheidungen, schnüffelte ausgiebiger und bewältigte Situationen, die zu Beginn der Begleitung kaum möglich gewesen waren.

Es gab Spaziergänge, auf denen die Leine über längere Strecken locker blieb. Einzelne Reize, die früher schnell eine deutliche Reaktion ausgelöst hätten, konnten an manchen Tagen nahezu beiläufig werden. Gleichzeitig gab es weiterhin Situationen, in denen ein unerwarteter Reiz genügte und seine Welt wieder deutlich kleiner wurde.

Beides gehört zu diesem Hund. Seine Ängstlichkeit ist nicht einfach verschwunden, aber sein Handlungsspielraum wurde größer. Und genau diese Veränderungen sind für mich in der therapeutischen Arbeit interessant – sehr viel mehr als eine bestimmte Anzahl von Spaziergangsminuten.

Vielleicht magst du an dieser Stelle einmal an deinen eigenen Hund denken. Woran misst du Fortschritt? Nur daran, dass dein Hund weiter läuft, länger bleibt oder eine Situation „schafft“? Oder bemerkst du auch die leiseren Veränderungen: dass er wieder schnüffelt, sein Körper etwas weicher wird, die Leine für einen Moment locker hängt, er nach einem Schreck schneller zurückfindet oder erstmals selbst entscheidet, noch einmal einen Schritt nach vorne zu machen?

Entwicklung zeigt sich nicht immer dort, wo wir sie erwartet haben.

Auch ein aufmerksamer Blick kann sich noch einmal verändern

Die Halterin dieses Hundes hatte ihn von Anfang an sehr genau beobachtet. Sie kannte seine kleinen Veränderungen, bemerkte Unterschiede zwischen Tageszeiten, Geräuschen und Situationen und konnte mir viele Details schildern, die für das Verständnis seines Verhaltens wichtig waren. Genau das war für unsere gemeinsame Arbeit ausgesprochen wertvoll.

Der Blickwechsel bestand deshalb nicht darin, dass sie erst lernen musste, ihren Hund richtig anzuschauen. Sie schaute längst hin.

Wir konnten aber gemeinsam verändern, wie wir das Beobachtete bewerten.

Wenn der eigene Hund zeitweise kaum noch vor die Tür gehen kann und jeder Gang nach draußen ungewiss wird, liegt der Blick verständlicherweise schnell darauf, was heute wieder nicht möglich war. Wie weit ist er gekommen? Wie lange war er draußen? Ging der Weg oder ging er nicht?

Dazu kommen nicht selten Kommentare von außen. Warum geht der Hund nicht einfach länger spazieren? Muss man nicht konsequenter sein? Ist so wenig Bewegung überhaupt richtig? Solche Aussagen können enormen Druck erzeugen – gerade bei einem Menschen, der sich ohnehin viele Gedanken macht und seinen Hund aufmerksam begleitet.

Bei diesem Hund wäre ein längerer Spaziergang aber nicht automatisch ein besserer Spaziergang gewesen. Manchmal waren wenige Minuten, in denen er selbstständig schnüffeln, beobachten und wieder zurückkehren konnte, für seinen Weg wertvoller als eine lange Strecke, die er nur in hoher Anspannung bewältigt hätte.

Im Laufe der Begleitung veränderte sich deshalb nicht unbedingt das genaue Hinschauen der Halterin, sondern die Bedeutung, die einzelne Beobachtungen bekamen. Ein Rückzug in den geschützten Eingangsbereich konnte plötzlich auch als selbst gewählte Pause gesehen werden – besonders dann, wenn der Hund anschließend wieder hinausging. Intensives Schnüffeln, eine lockere Leine, ein selbst gewählter Weg oder eine Pause innerhalb der Suchaufgabe wurden zu Hinweisen darauf, dass sich etwas in seinem Handlungsspielraum veränderte.

Vielleicht ist genau das der Blickwechsel: nicht plötzlich mehr zu sehen, sondern das, was man längst sieht, anders lesen zu können.

Ein schwieriger Tag muss dann nicht automatisch bedeuten, dass alles zuvor Erreichte verloren gegangen ist.

Blickwechsel

Vielleicht ist genau das die wichtigste Geschichte dieses anonymisierten Praxisfalls: Ein Hund kann nach einer sehr schwierigen Anfangszeit etwas geschafft haben und trotzdem noch nicht wirklich sicher sein. Er kann über längere Zeit stabiler wirken und später wieder deutlich ängstlicher werden, ohne dass das zuvor Erreichte wertlos geworden ist.

Ein Sicherheitsort muss kein Ort sein, an dem ein Hund „stecken bleibt“. Manchmal ist er genau der Platz, von dem aus ein neuer Versuch überhaupt erst möglich wird. Und eine Pause bedeutet nicht automatisch, dass ein Hund aufgegeben hat. Manchmal ist sie Teil dessen, was ihm ermöglicht, anschließend selbst wieder weiterzumachen.

Bei einem solchen Hund wäre es deshalb zu kurz gedacht, nur zu fragen: „Wann geht er endlich wieder ganz normal spazieren?“

In meiner Arbeit interessiert mich vielmehr, wie viel Welt ein Hund sich selbst wieder erschließen kann. Wo trifft er eigene Entscheidungen? Wann wird aus Beobachten wieder Erkunden? Wann braucht er eine Pause und wann ist er selbst wieder bereit weiterzugehen? Wann findet sein Körper genügend Sicherheit, um zu schnüffeln, zu spielen oder sich draußen zu lösen? Und wie kann sein Mensch ihn dabei begleiten, ohne jeden schwierigen Tag als Scheitern erleben zu müssen?

Der hier beschriebene therapeutische Weg war zum Zeitpunkt dieser Beobachtungen noch nicht abgeschlossen. Die Außenwelt war weiterhin nicht überall und jederzeit sicher. Bestimmte Geräusche und unvorhersehbare Situationen konnten noch immer deutliche Unsicherheit auslösen. Auch eine gründliche medizinische Abklärung gehörte zu den wichtigen Punkten, damit mögliche körperliche Einflüsse nicht übersehen werden.

Aber der Blick auf die Entwicklung zeigte keinen Hund, der einfach wieder gelernt hatte zu „funktionieren“.

Er zeigte einen Hund, dessen Möglichkeiten langsam wieder größer wurden. Einen Hund, der innehalten konnte, zurückgehen durfte und manchmal selbst wieder einen neuen Versuch begann.

Und vielleicht ist genau das manchmal der viel größere Fortschritt.

Zum Weiterlesen:
In meinem vorherigen Blog Seitdem ist mein Hund anders – wenn ein Erlebnis den Alltag verändert – Carmen Niedziella gehe ich noch grundsätzlicher der Frage nach, warum verändertes Verhalten oft eine Geschichte erzählt.

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