Freiheit, Druck und die Geschichten, die wir tragen

Was Mustangs uns über Hunde lehren können 🐴🐶

Neulich stolperte ich über einen Artikel von Katrin Bockstette zu den Mustangs in den USA. Diese stolzen Wildpferde, Sinnbild für Freiheit und Stärke, werden eingefangen, unter enormem Druck in kürzester Zeit „zurechtgemacht“ und anschließend weitervermittelt – unter dem Vorwand, ihnen ein neues Leben zu schenken.

Und da dachte ich: Wie nah das doch an dem ist, was wir auch in der Hundewelt immer häufiger erleben.

Freiheit und Anpassung

Ein Mustang, der sein Leben lang frei war, muss sich plötzlich an Zäune, Menschenhände und Training anpassen. Und so mancher Hund muss sich von Anfang an in unser Leben fügen: vom Sofa bis zum Spaziergang, von der Hundeschule bis zum Restaurantbesuch.

Natürlich geht es nicht ohne Regeln. Aber: Wo bleibt die Freiheit? Wo bleibt die Selbstbestimmung?
Ein Hund (oder Pferd) ist kein Wesen, das wir in eine Form pressen können. Er ist ein Individuum, das Respekt für sein Tempo, seine Persönlichkeit und seine inneren Grenzen verdient.

Druck und Schnelligkeit

Beim Mustang-Training zählt vor allem eins: möglichst schnell Ergebnisse zeigen. Von einem wilden Pferd zu einem „reitbaren Partner“ in wenigen Wochen.

In der Hundewelt klingt das vertraut: Welpen sollen am besten sofort stubenrein sein, schnell alleine bleiben können, in der Hundeschule jede Woche eine neue Übung lernen. Und wenn der Hund unsicher oder ängstlich ist, wünschen wir uns am liebsten eine Abkürzung.

Doch Druck erzeugt selten Vertrauen. Und schnelle Lösungen sind oft nicht nachhaltig. Wirkliche Veränderung braucht Zeit, Geduld und kleine Schritte.

Die Geschichten, die wir mitbringen

Jedes Tier bringt seine Geschichte mit. Ein Mustang den Fang, den Transport, den Verlust seiner Freiheit. Ein Hund – oder gerade ein Tierschutzhund – vielleicht frühe Trennungen, unsichere Erfahrungen, fehlende Prägung – oder einfach den Druck, in unserer schnellen Welt Schritt halten zu müssen. Solche Geschichten begegnen mir auch immer wieder bei Mensch-Hund-Teams in Hannover und Hildesheim, wo viele Familien ganz ähnliche Herausforderungen erleben.

Diese Geschichten prägen Verhalten. Sie verschwinden nicht, nur weil wir sie „wegtrainieren“ möchten. Aber wir können lernen, sie zu sehen, zu respektieren und damit achtsam umzugehen.

Trend-Methoden vs. echte Beziehung

Immer wieder tauchen neue Trainingsmethoden auf, die schnelle Erfolge versprechen. Doch bei all den Trends dürfen wir nicht vergessen: Es geht nicht um die Methode – es geht um das Miteinander.

Beziehung, Vertrauen, Selbstwirksamkeit – das sind die Schlüssel, die nachhaltig wirken. Nicht die neuste Technik, nicht die größte Schnelligkeit.

Mein Gedanke zum Schluss

Vielleicht sollten wir uns öfter fragen:
Muss mein Hund – ob Welpe, Senior oder Tierschutzhund – wirklich schnell lernen? Oder darf er in seinem Tempo wachsen?
Muss er sich sofort anpassen? Oder darf er auch ein Stück seiner Freiheit behalten?

Und vielleicht reicht es manchmal, einfach stehenzubleiben, tief durchzuatmen – und dem Tier an unserer Seite das Gefühl zu geben: Du darfst sein, wer du bist. Mit deiner Geschichte. Mit deinem Tempo. 💚
Das gilt für Mustangs genauso wie für unsere Hunde – und eigentlich für alle Lebewesen, mit denen wir unsere Umwelt teilen. In Hannover, Hildesheim und überall sonst.

Mein Dank gilt Katrin Bockstette, deren Artikel über die Mustangs mich zu diesem Blogbeitrag inspiriert hat. Ihre weitere Arbeit findet ihr hier: www.katrin-bockstette.de.

Wenn dich diese Gedanken berührt haben und du dich fragst, wie du deinem Hund mehr Sicherheit, Zeit und Freiheit schenken kannst: Genau hier setze ich in meiner Arbeit als Tierpsychologin an.
Mit Geduld, Verständnis und einem Blick für die Geschichte deines Hundes begleite ich euch – Schritt für Schritt.

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